STIs 2023 – ein Update

Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege!

Dieser Newsletter Test&Treat News soll Ihnen ein Update von praxis-relevanten und aktuellen Informationen über STDs vermitteln.

Wir wollen auch bereits jetzt unsere Veranstaltung „Lange Nacht der Pilzambulatorien“ am 10. November im Lusthaus ankündigen.

 

Die epidemiologische Situation der genitalen Kontaktinfektionen

Die gemeldeten Zahlen der klassischen Geschlechtskrankheiten hatten insbesondere in der Zeit der ersten Lock-down-Periode 2021 sowohl in Österreich als auch in Europa abgenommen. Der Einfluss auf die epidemiologische Situation der STDs war allerdings in Österreich auf den ersten Lock-down beschränkt, die Zahlen danach waren durch weitere Lock-down-Maßnahmen weitgehend unbeeinflusst. Seit 2022 sind die Infektionszahlen wieder rasant angestiegen und haben die „Vor-Covid“- Werte erreicht (Abbildung1 und 2). Ein ähnlicher Trend wurde auch anhand der diagnostizierten Fälle in den Pilzambulatorien beobachtet und wird europaweit bestätigt.

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Eine besondere Risikogruppe für Syphilisinfektionen stellen MSM (men having sex with men) dar (Abbildung 3). Die Infektionszahlen sind bei MSM signifikant höher als bei heterosexuellen Personengruppen.

Abbildung 3: Vergleich der Syphilisinfektionen bei verschiedenen Risikogruppen (gemeldete Infektionen an ECDC)

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Besorgnis besteht weiterhin hinsichtlich der tatsächlichen Krankheitsfälle von kongenitaler Syphilis in Europa, wobei die an die ECDC weitergeleiteten Zahlen einzelner europäischer Länder große Unterschiede aufweisen und daher Infektionen möglicherweise nicht immer erkannt oder gemeldet werden. Wichtig ist die Beibehaltung der serologischen Screening-Untersuchungen als prophylaktische Maßnahme während der Schwangerschaft, die keineswegs aufgegeben werden darf.
Nach wie vor besteht kein Hinweis auf eine Resistenzentwicklung bei T. pallidum. Weiterhin gilt das Benzathinpenicillin als das Therapeutikum der ersten Wahl (siehe www.pilzambulatorium.at , www.oegstd.at).

Im Gegensatz zur Syphilis ist die Resistenzsituation der Gonokokken eine schwierige Herausforderung und bedarf einer permanenten Kontrolle. Sowohl in den CDC-Therapieleitlinien als auch jenen der ÖGSTD für Österreich (www.oegstd.at, www.pilzambulatorium.at) wird das Ceftriaxon derzeit als Einzeltherapie neben einigen Alternativmöglichkeiten empfohlen. In manchen Ländern wird weiterhin an der Kombinationstherapie mit Azithromycin festgehalten, obwohl in den letzten Jahren – auch in Österreich – die Resistenz gegenüber Azithromycin stark zugenommen und die 10% Grenze bereits überschritten hat. Während die Cefiximresistenz abgenommen hat, lassen Meldungen von Ceftriaxon-resistenten Gonokokkenisolaten in asiatischen Regionen, vereinzelt aber auch in Europa aufhorchen. Verantwortlich für die zunehmende Cephalosporin-Resistenz sind unter anderem mehrere chromosomale Genmutationen (PenA Gen, PenB Gen, RepressorGen mtrR). In Großbritannien und Frankreich wurden einige Ceftriaxon-resistente Gonokokkenisolate bei Personen nachgewiesen, die nach einem Aufenthalt im asiatischen Raum selbst erkrankten oder Partnerinnen in Europa infizierten. Auch ein erster Fall aus Österreich ist bekannt. Ceftriaxon-resistente Gonokokkenisolate sind auch bereits sehr vereinzelt innerhalb Europas nachgewiesen worden. Aktuelle Therapieempfehlungen werden dadurch derzeit nicht geändert.

 

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Sind die Affenpocken (Mpox) verschwunden?

Die virale Zoonose wurde 2022 erstmals im Rahmen eines großen Ausbruchs in EU-Ländern beschrieben. Sie wird durch engen Kontakt auch von Mensch zu Mensch übertragen, vorwiegend in der Gruppe der MSM. Durch die rasche Impfung konnte der Ausbruch schnell unter Kontrolle gebracht werden und schien beendet zu sein. In zahlreichen europäischen Ländern wurden während der letzten Wochen neuerlich vereinzelte Infekte mit Mpox nachgewiesen (Norwegen, Schweden, Niederlande, Italien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg). Ein Hotspot scheint derzeit Portugal mit über 100 Neuinfektionen zu sein, von denen einige Personen bereits zum 2. Mal erkrankten oder bereits mehrmals geimpft waren. Leider scheinen weder abgelaufene Infektionen noch eine bereits erfolgte Mpox-Impfung einen sicheren Schutz vor einer Infektion zu bieten.

 

Auftreten multiresistenter Shigella-Infektionen

Shigella ist eine durch Shigella-Bakterien verursachte Infektion und wird durch kontaminierte Fäkalien, Lebensmittel oder Wasser übertragen. Schon eine geringe infektiöse Dosis genügt, um gastrointestinale Symptome und akuten Durchfall, oft begleitet von Fieber, Bauchschmerzen und Blut im Stuhl, auszulösen. Die meisten Infektionen sind selbstbegrenzt, dauern etwa 5-7 Tage und erfordern keine antimikrobielle Behandlung
Seit April 2023 wurden über 300 Fälle von Shigella sonnei an ECDC gemeldet, viele mit einem multiresistenten Pattern gegen First- und Second-Line-Antibiotika. Sie wurden weitgehend, aber nicht ausschließlich bei MSM isoliert und sind mit verschiedenen mikrobiologischen Clustern aus etlichen Ländern verwandt: Belgien (26), Dänemark (13), Deutschland (33), Irland (50), den Niederlanden (21), Spanien (> 60) und den Vereinigten Staaten (106). Besonders besorgniserregend ist bei einigen Stämmen die Resistenz gegen Azithromycin. Wird eine Shigellose diagnostiziert, sollte 7 Tage auf sexuellen Kontakt verzichtet und 4-6 Wochen ein Analkontakt vermieden werden, da Shigella bis zu 6 Wochen im Stuhl nachweisbar ist.

 

Wir möchten nochmals auf unsere Veranstaltung im Lusthaus hinweisen, die bereits 2022 ein großer Erfolg war und viele neue Informationen vermitteln konnte. Notieren Sie bereits jetzt den Termin!

Lange Nacht der Pilzambulatorien

10. November 2023, 19.00 Uhr, Lusthaus

Programm:

Eintreffen und Begrüßung

Musikalisches Intermezzo

Stephan Lautenschlager, Zürich
Syphilis: Ein persistierendes Dilemma.

Musikalisches Intermezzo

Johanna Strobl, Georg Stary, Wien
Immunbiologie der Spirochäten: Wege zur Impfung?

Musikalisches Intermezzo

Birgit Sadoghi, Graz
Behandlung der genitalen Candidiasis: wen, wie, wann?

Musikalisches Intermezzo

Die Vorträge werden von musikalischen Intermezzi durch Willi Brenner (Klavier) und Kurt Schmid (Klarinette, Saxophon) begleitet.

Anschließend laden wir zu einem „langen“ gemütlichen Beisammensein mit Buffet ein.

Die Veranstaltung ist mit 3 Fortbildungsstunden approbiert.

 

Bei Fragen oder Anregungen lade ich Sie zu einer Kontaktaufnahme unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ein.

Mit kollegialen Grüßen

Univ.-Prof. Dr. Angelika Stary