Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege!

Im ersten Newsletter dieses Jahres informieren wir Sie über die rasche Zunahme von Infektionen mit dem Dermatophyt Trichophyton tonsurans, der sowohl eine Tinea capitis als auch eine Tinea corporis verursachen kann.

 

Anstieg der Infektionen mit Trichophyton tonsurans in Österreich im letzten Jahrzehnt

Ivana Indikova, Angelika Stary, Pilzambulatorien Wien

Trichophyton (T.) tonsurans ist ein anthropophiler Pilz, der hauptsächlich aus dem Kampfsportbereich bekannt ist. Am häufigsten ist er in Nordamerika verbreitet. In den letzten zehn Jahren hat sein Auftreten in Europa jedoch drastisch zugenommen.

202503 1
Fig.1: (a) Abbildung der Kultur von T. tonsurans; (b-e) Klinische Manifestation der Infektion mit T. tonsurans durch Hautläsionen mit scharf abgegrenztem, leicht erhabenem Rand. Gelegentlich kann es zu einer starken Entzündungsreaktion der Haut mit Ödemen und kleinen Abszessen kommen.

Insgesamt wurden in den Pilzambulatorien in Wien im Zeitraum der letzten 10 Jahre (2014-2024) 3138 Proben mit positivem Dermatophytenbefund verglichen, wobei der Schwerpunkt der Häufigkeit auf Microsporum (M.) canis („zoophil“) und T. tonsurans („anthropophil“) lag.

Die meisten identifizierten Infektionen waren auf M. canis zurückzuführen (n=1252; 39,9%). T. tonsurans war für 683 (21,8%) Infektionen verantwortlich, während andere Dermatophyten in 1203 (38,3%) Proben nachgewiesen wurden.
Bemerkenswert ist der Anstieg der Dermatophyten-positiven Proben bei der Tinea capitis von "nur" 30 Proben im Jahr 2014 auf 106 Proben im Jahr 2024. Ähnliche Ergebnisse liefert der Vergleich der Proben bei der Tinea corporis mit einem Anstieg von 163 positiven Proben im Jahr 2014 auf 411 positive Proben im Jahr 2024.
Der Vergleich der Ergebnisse von 2014 und 2024 zeigte einen prozentuellen Rückgang der Infektionsrate von M. canis von 80% auf 20% bei Tinea capitis und von 60% auf 10% bei Tinea corporis. Im Gegensatz dazu ist die Infektionsrate von T. tonsurans zwischen 2014 und 2024 von 8% auf fast 70% für Tinea capitis bzw. Tinea corporis gestiegen, insbesondere in den letzten drei Jahren.

202503 2
Fig.2: Zeitlicher Vergleich des Erregerspektrums von Tinea capitis im Pilzambulatorium Wien

Die erhobenen Daten veranschaulichen den raschen Wandel in der Epidemiologie der für Tinea capitis und Tinea corporis verantwortlichen Dermatophyten. In den ersten Jahren gaben die meisten T. tonsurans-positiven Patienten an, sich vermutlich im Rahmen des Kampfsportes infiziert zu haben. Obwohl die Inzidenz von Infektionen durch Kontaktsportarten weiterhin ähnlich hoch ist, traten mindestens 50% der verbleibenden Fälle definierten Ursprungs nach einem „Barber-Besuch“ auf.

Die Ergebnisse wurden in einer Postersession bei der ÖGDV-Jahrestagung 2024 in Graz präsentiert und sind Teil des Vortrages "Sag mir, wo die Pilze sind", der am 29. März 2025 anlässlich der ÖGSTD-Veranstaltung Tag der Venerologie mit weiteren Informationen ausführlich präsentiert wird.
Das Programm ist bereits online verfügbar.

Bei Fragen oder Anregungen zu dem ausgeführten Thema lade ich Sie zu einer Kontaktaufnahme unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ein.

Mit den besten Wünschen und kollegialen Grüßen,

Univ.-Prof. Dr. Angelika Stary