Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege!

Am 29. März 2025 fand im Billrothhaus der Gesellschaft der Ärzte in Wien der sehr erfolgreiche und gut besuchte 2. Tag der Venerologie 2025 unter dem Titel "Let's talk about sex" der Österreichischen Gesellschaft für STD und dermatologische Mikrobiologie statt.
Für die Test&Treat News der Pilzambulatorien Wien haben wir in dankenswerter Weise von Frau Dr. Handisurya, Oberärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien, eine Kurzfassung ihres Vortrags über die aktuelle Situation der Skabies als Rückblick des Tages der Venerologie erhalten. Wir freuen uns, Ihnen somit einen aktuellen Überblick der Skabies im Rahmen des Newsletter zuzusenden..

 

Skabies: kein Ende in Sicht?

Alessandra Handisurya,
Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien

Die Skabies (Krätze) ist eine ansteckende, stark juckende Dermatose, verursacht durch den Befall der Haut mit Sarcoptes (S.) scabiei var. hominis (Krätzmilbe). Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 200 Millionen Menschen insbesondere in subtropischen und tropischen Regionen davon betroffen. In den letzten Jahren wurde jedoch auch in Europa ein starker Anstieg an Skabiesfällen verzeichnet. Genaue Zahlen zur Prävalenz und Inzidenz in Österreich sind aufgrund fehlender Meldepflicht nicht vorhanden.
Nach der Übertragung der Skabiesmilben durch zumeist direkten Haut-zu-Haut Kontakt manifestiert sich die Skabies als papulöses Ekzem an Hautarealen mit hoher Temperatur und dünner Hornschicht. Die Prädilektionsstellen stellen daher die Finger- und Zehenzwischenräume (Abbildung 1), Handkanten, Beugeseiten der Handgelenke, Ellenbeugen, Axillae, Areolae, die (Peri-)Umbilikalregion, das Gesäß, die Genitoinguinal- und Perianalregion sowie die Knöchel und inneren Fußränder dar. Im Gegensatz zu Erwachsenen sind bei Säuglingen und Kleinkindern häufig auch Gesicht, der behaarte Kopf sowie die Palmoplantarregion (Abbildung 2) betroffen. Begleitet wird das Skabiesekzem von einem charakteristischen, oft quälenden Juckreiz, wobei beides auf eine zellvermittelte Immunreaktion vom Spättyp gegen Milbenbestandteile und -exkremente zurückzuführen ist. Bei einer Erst-Infestation treten Ekzem und Symptome nach zwei bis fünf Wochen auf, bei einer Re-Infestation bereits nach ein bis vier Tagen. Für die definitive Diagnosestellung können zur direkten Visualisierung der Milbe oder der Milbenprodukte mikroskopische oder dermatoskopische Mittel eingesetzt werden. Die klinische Diagnose wird anhand der Läsionen an den Prädilektionsstellen, des typischen Juckreizes sowie einer positiven Kontaktanamnese gestellt. Die Entnahme von Hautbiopsien mit histologischer Aufarbeitung ist nicht notwendig und wird nur bei Vorliegen von Differentialdiagnosen empfohlen.
Das Therapieziel bei Skabies ist die Abtötung der Milben, Eier und Larven sowie die Behandlung des Juckreizes. Grundsätzlich müssen alle engeren Kontaktpersonen mitbehandelt werden, unabhängig davon, ob Symptome vorliegen. Eine umfassende Eradikation der Milben aus der Umgebung ist ebenfalls vonnöten, um Re-Infestationen sowie die Übertragung an Nichtbetroffene zu vermeiden. Die begleitenden Hygienemaßnahmen zur Eradikation der Milben in der Umgebung umfassen Waschen der Kleidung, Handtücher und Bettwäsche bei mindestens 60°C. Alternativ können diese Gegenstände auch für 2 Stunden bei -25°C eingefroren oder verpackt für mindestens 72 Stunden bei mehr als 21°C gelagert werden. Möbel, mit denen direkter Hautkontakt bestand, sollten abgesaugt oder für 48 Stunden nicht verwendet werden.
In Tabelle 1 wird die Therapieempfehlung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) für die gewöhnliche Skabies angeführt.

Tabelle 1. Therapieempfehlung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie
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Dazu passend wurde in einer rezenten doppelblinden, randomisierten Studie an der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie am Uniklinikum Salzburg die Effizienz von Permethrin und Benzylbenzoat bei Patienten mit Skabies direkt verglichen. Die Autoren unter der Leitung von Priv. Doz. Dr. Damian Meyersburg konnten signifikant höhere Heilungsraten von 87% nach der topischen Anwendung mit Benzylbenzoat beobachten im Vergleich zu Permethrin, bei der eine Heilung von Skabies nur in etwa 27% der Fälle beobachtet werden konnte.

Zusätzlich zur steigenden Inzidenz an Skabiesfällen in Europa nehmen des Weiteren Berichte über Therapieversagen nach einer Anwendung von Permethrin zu. Eine Resistenzentwicklung der Skabiesmilben gegenüber der bisherigen Erstlinien-Therapie Permethrin erscheint möglich und erschwert die Kontrolle und das Management der Skabies. Diesbezüglich hat die Forschungsgruppe um Assoz.-Prof. Dr. Alessandra Handisurya an der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien erstmals eine Mutation in S. scabiei var. hominis Milben, die zuvor von Skabiespatienten aus Wien entnommen wurden, identifiziert. Diese Mutation, die an der Bindungsstelle von Permethrin in den spannungsabhängigen Natriumkanälen der Nervenzellen der Milben lokalisiert ist, führt zu einer Aminosäurenänderung von Methionin zu Leucin (M918L Mutation). Diese Mutation wurde in anderen Arthropodenspezies bereits mit einer Resistenz und der dadurch verringerten Ansprechrate auf Permethrin assoziiert. Es ist demnach vorstellbar, dass die weit verbreitete und zunehmende Anwendung von Permethrin hier in Österreich oder auch in Europa bei S. scabiei var. hominis Milben die Entstehung von Resistenz-assoziierten Mutationen begünstigt. Die beobachteten Fälle von Therapieversagen könnten somit auf den mutationsbedingten Sensitivitätsverlust gegenüber Permethrin zurückzuführen sein.

Abbildung 1: Klassische Prädilektionsstellen der Skabies an Finger- und Zehenzwischenräumen.
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Abbildung 2: Bei Säuglingen und Kleinkindern ist typischerweise die Palmoplantarregion mitbetroffen.
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Hinweis des Pilzambulatoriums:
Die Differentialdiagnose zwischen einem Skabiesrezidiv und einem postskabiösen Ekzem kann schwierig sein. Der mikroskopische Nachweis ist hier eine unerlässliche Hilfestellung für die richtige Therapiewahl und wird in den Pilzambulatorien als Privatleistung (25 Euro) angeboten.

 

Bei Fragen oder Anregungen zu dem ausgeführten Thema lade ich Sie zu einer Kontaktaufnahme unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ein.

Mit den besten Wünschen für einen erholsamen Sommer und kollegialen Grüßen,

Univ.-Prof. Dr. Angelika Stary