Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege!
In diesen "Test and Treat News" erhalten Sie aktuelle Informationen zur raschen und sicheren diagnostischen Abklärung asymptomatischer Infektionen im Genitalbereich.
Sexuell übertragbare Infektionen: Die stille Epidemie mitten unter uns
Univ. Prof. Dr. Georg Stary, Dr. Claudia Heller-Vitouch
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) – darunter Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae, Treponema pallidum (Syphilis), HIV und virale Hepatitiden – bleiben in Europa und auch in Österreich eine unterschätzte, jedoch epidemiologisch hochrelevante Herausforderung. Trotz jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit breiten sich diese Infektionen bei asymptomatischen Betroffenen teils ungebremst aus – häufig unbemerkt! Diese bleiben jedoch infektiös und werden so zu unfreiwilligen Überträgern.
Asymptomatisch, aber nicht harmlos
Gerade asymptomatische Verläufe sind tückisch: Sie bleiben unerkannt, erhöhen die Dunkelziffer und bergen das Risiko schwerwiegender Folgeerkrankungen wie Pelvic Inflammatory Disease, chronische Schmerzen oder Unfruchtbarkeit. Gleichzeitig fungieren Betroffene als „stille Reservoirs“ und treiben die Transmission voran – ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Krankheitslast.
Testen, testen, testen – aber gezielt!
Regelmäßige, risikoadaptierte Testungen sind das Rückgrat jeder effektiven STI-Prävention. Nationale und europäische Leitlinien empfehlen klare Testintervalle und Abstriche verschiedener Regionen (z. B. pharyngal, rektal, urogenital) – angepasst an Expositionsrisiken und individuelle Sexualpraktiken. Nur durch gezielte Diagnostik lassen sich symptomatische wie asymptomatische Infektionen frühzeitig erkennen und behandeln.
STI-Screening ist keine Kür, sondern Pflicht
Testung bedeutet nicht nur die Möglichkeit einer Therapie, sondern auch aktive Eindämmung: Identifikation von Infizierten, gezieltes Kontaktpersonenmanagement und eine effektive Unterbrechung der Infektionsketten. Bei HIV ergänzen regelmäßige Tests bewährte Strategien wie PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) und TasP (Therapie als Prävention) – mit nachweisbarem Effekt auf die Inzidenzen.
Komponenten der testbasierten STD-Prophylaxe
Eine wirksame testbasierte Prävention umfasst mehrere ineinandergreifende Maßnahmen, die auf Früherkennung, Kontaktnachverfolgung und niederschwelligen Zugang setzen:
- Früherkennung durch Screening
Ziel ist, asymptomatische Infektionen aufzudecken, um Frühbehandlung und Unterbrechung der Infektionskette zu ermöglichen. In skandinavischen Ländern ist beispielsweise das regelmäßige Screening auf Chlamydien bei sexuell aktiven Jugendlichen und jungen Erwachsenen etabliert. - Regelmäßigkeit und risikoadaptierte Intervalle
Abhängig vom individuellen Risikoprofil (z. B. häufig wechselnde Partner, MSM, PrEP-Nutzung) wird empfohlen, STI-Tests mindestens einmal jährlich, bei erhöhtem Risiko auch vierteljährlich durchzuführen. Leitlinien betonen zudem die Bedeutung von Multisite-Testungen (z. B. Syphilis-Screening und Tests auf Chlamydien/Gonorrhoe mittels Genital-, Rachen- und Analabstrichen) in Abhängigkeit von der Exposition. - Partnerbenachrichtigung, Therapie und „Test of Cure“
Nachgewiesene Infektionen erfordern, dass Sexualpartner:innen informiert, getestet und gegebenenfalls behandelt werden, um Reinfektionen zu vermeiden. Modelle zeigen, dass ohne Partnerbehandlung die Reinfektionsrate bei Chlamydien bis zu 19% beträgt. - Niederschwellige Angebote und entstigmatisierte Zugänge
Der Zugang zu kostengünstigen und auf Wunsch anonymen Testmöglichkeiten ist entscheidend, um Testbereitschaft zu fördern. Beispiele sind niedrigschwellige Angebote wie die STD-Gesundenuntersuchung der Pilzambulatorien, die gezielt auf Barrierefreiheit und Entstigmatisierung setzen.
Was uns bremst: Stigma, Kosten, Widerstände
Trotz medizinischer Evidenz und klarer Empfehlungen bestehen in der Praxis zahlreiche Hürden. Scham und Stigmatisierung hemmen die Inanspruchnahme, ungleiche Verfügbarkeit diagnostischer Möglichkeiten erschwert eine flächendeckende Prävention. Antibiotikaresistenzen – allen voran bei N. gonorrhoeae – verschärfen die Lage zusätzlich. Auch bei der Impfung gegen Hepatitis B besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf.
Fazit für die Praxis
STI sind keine Randerscheinung, sondern ein dynamisches, oft verkanntes Public-Health-Problem – mitten in unseren Ordinationen. Ein proaktiver, aufgeklärter Umgang mit Testungen, Prävention und Beratung muss zum integralen Bestandteil ärztlicher Tätigkeit werden.
Denn wer nicht testet, sieht nicht – und wer nicht sieht, behandelt zu spät.
In den Pilzambulatorien Wien wird die STD-Gesundenuntersuchung während der Öffnungszeiten ohne Termin angeboten. Patient:innen können am Schalter das gewünschte Untersuchungs-Package wählen und profitieren von kurzen Wartezeiten, einer Probenanalyse mit exzellenter fachlicher Expertise, einer schriftlicher Befundinterpretation sowie der raschen elektronischen Befundübermittlung (STD-Package Basis und Basis mit HPV sowie STD-Package plus) innerhalb von 48 Werktags-Stunden (Pilzambulatorium Schlösselgasse) bzw. drei Werktagen (Pilzambulatorium Floridsdorf und Hietzing).
STD-Package Basis, Euro 125,-
- Gonokokken/Tripper (PCR)
- Chlamydien (PCR)
- Syphilis (TPHA-Serologie)
- HIV (Serologie)
- Hepatitis B (Serologie)
STD-Package Basis mit HPV, Euro 185,-
- Gonokokken/Tripper (PCR)
- Chlamydien (PCR)
- Syphilis (TPHA-Serologie)
- HIV (Serologie)
- Hepatitis B (Serologie)
- HPV (PCR)
STD-Package Plus, Euro 253,-
- Gonokokken/Tripper (PCR)
- Chlamydien (PCR)
- Syphilis (TPHA-Serologie)
- HIV (Serologie)
- Hepatitis B (Serologie)
- HPV (PCR)
- Trichomonas vaginalis (PCR)
- Mycoplasma genitalium (PCR)

Bei Fragen oder Anregungen zu dem ausgeführten Thema lade ich Sie zu einer Kontaktaufnahme unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ein.
Mit den besten Wünschen für die Vorweihnachtszeit verbleibe ich mit kollegialen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Angelika Stary
